von Ivan Bellocq & Jean-Hervé Peron
& Ten Ta To und einer Videoprojektion von Uwe Bastiansen
 

 
Das Netzwerk Neue Musik veranstaltet von Ende August bis Mitte September 2010 ein großes Ereignis für zeitgenössische Musik. Mit einem Sonderzug (sounding D Zug) voller Klanginstallationen verbindet es 16 Städte quer durch die Republik - mit dabei ist Kiel!
Am 28. August 2010 machte der Sounding-D Zug Station in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein.

Dieses Ereignis inspirierte Dr. Friedrich Wedell, künstlerischer Leiter von Chiffren (Projekt des Forums für zeitgenössische Musik), zu einem Zusatzprogramm mit einem Wandelkonzert entlang der Hörn (Kieler Innenhafen) mit dem – zumindest für des Plattdeutschen Mächtige - treffenden Namen "Hör[n] Törn". Ein abwechslungsreiches Programm mit 13 Stationen machte bei sonnigem Wetter viele Facetten neuer Musik hör- und erlebbar.
Das Abschlusskonzert fand in der Halle 400 statt. Unter den drei dort präsentierten Werken erregte das Impromptu pour Bétonnière et Orchestre besondere Aufmerksamkeit. Die Komponisten, der international anerkannte Komponist und Flötist Ivan Bellocq (oben links), und der von der Gruppe Faust und anderen Klangaktionen bekannte Jean-Hervé Peron (Zementmischer) inszenierten das Werk gemeinsam mit dem Ensemble Ten Ta To aus Hamburg und dem Musik- und Videokünstler Uwe Bastiansen.
 
 

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Das » Poème pour Bétonnière et Orchestre « ist eine neue, experimentelle Komposition von Bellocq und Peron, die in einem radikalen Konzept unterschiedliche Entwicklungslinien der zeitgenössischen Musik zusammenführt. Das Werk existiert in einer reduzierten Fassung für Improvisationsensembles und einer auskomponierten Fassung für symphonisches Orchester. Die Uraufführung gab es bereits 2009 im Rahmen des internationalen Avantgarde Festivals Schiphorst.
Beim Hör[n] Törn in Kiel wurde eine improvisierte Fassung Impromptu pour Bétonnière et Ensemble gespielt.

In vier Sätzen wird das existentielle Thema von Werden und Vergehen mit dem Zementmischer als Soloinstrument musikalisch durchlebt und durchlitten:

Erster Satz: · Demut · Magma · Wellen

 


Eine 45-minütige Videoprojektion von Uwe Bastiansen umrahmte den Auftritt der sechs Musiker visuell und intensivierte die gewonnen Eindrücke. Ferner erstellte U. Bastiansen direkt vor Ort mit einer Handkamera weitere optische Impressionen auf eine Leinwand.

 

Das Poème verbindet die expressive Tradition zeitgenössischer Kompositionen mit Soundkonstruktionen von Industrial, Rock und experimentellem Underground. Die Zusammenführung dieser ganz unterschiedlichen Klangwelten, erzeugt eine Spannung, die ganz neue Einsichten in die unterschiedlichen Musiktraditionen schafft.
 

Zweiter Satz: Erbärmlich · Sklaverei · Der lange Weg · 2/4 Marsch

 

Dritter Satz: · Fruchtbarkeit · Zivilisation · Rund!

 

Ten Ta To sind:
Tim Beger (Bass-Klarinette/ Klarinetten) Sascha Bunz (Kontrabass) Frank Valet (Perkussion) Jan Feddersen (präparierter Flügel)

 


Mit unterschiedlichen Materialien (Steine oder Holz) gefüllt, lässt sich ein Zementmischer wie jedes andere Instrument manipulieren. Große Steine, kleine Steine - schwere oder leichte - eckig oder rund?

Rund ist schön!

 

Vierter Satz: · Entbindung ·  ·  · 



Dr. Friedrich Wedell
(Chiffren - http://www.chiffren.de) warb für Toleranz und Begegnungen in der Musik und war äußerst erfreut über die vielen sehr unterschiedlichen Beiträge. Ein Erfolg, an dem der Zementmischer einen großen Anteil hatte.


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